Besuch in der Vergangenheit — Lost Places

Für gute Fotos verlasse der Fotograf seine Komfortzone.

So heißt es in  einer der Goldenen Regeln des Fotografenvolksmundes. Aus diesem Grund konnte ich Susis Angebot, eine verlassenen Industriemühle aus den 1920er Jahren zu besuchen, nicht ablehnen.

Einige Youtube-Videos und Artikel zur Lost Places Fotografie später, wie das Genre der Fotografie an verlassenen Orten genannt wird, hatte ich meine Ausrüstung zusammengestellt. Weitwinkel, Stativ und Blitz sollten es richten. Ein weiteres sehr wichtiges Utensil stellte zudem eine Taschenlampe dar, ohne welche man in den stromlosen Kellern und Gängen die Hand vor Augen nicht gesehen hätte. Außerdem sind festes Schuhwerk und belastbare Kleidung nicht zu unterschätzen. In solchen Ruinen wurde lange nicht mehr sauber gemacht.

Einmal an der Mühle angelangt, suchten wir uns ein Fenster und stiegen direkt in den vor Jahren durch Feuer zerstörten Teil des Gebäudes ein. Es offenbarte sich ein Blick auf das Skelett historischer Industriearchitektur. Riesige Räume, eingestürzte Stockwerke und in all dem hölzernen Chaos stehengebliebene Elemente aus Stahl. Für Fotografen mit Höhenangst und schlechtem Gleichgewichtsgefühl wäre dieser Teil der Mühle jedoch nicht Ort der Wahl gewesen. So balancierte ich über mehrere Balken, die einmal den Fußboden des jeweiligen Stockwerks darstellten und nun das einzige waren, was von selbigem noch erfolgreich dem Verfall trotzte.

Ein anderer Teil der Mühle blieb damals vom Feuer verschont und gewährte einen tiefen Blick in die Vergangenheit. Alte Aufzüge, riesige Maschinen und nostalgische Treppenhäuser, mein Eldorado für frische Motive. Einen besonderen Zauber macht allein der Gedanke aus, wie es wohl gewesen sein muss, als an diesem nun so einsamen Ort noch Betriebsamkeit herrschte.

Fotografisch gesehen, herrschten besonders im zerstörten Teil durch grelles Licht und tiefe Schatten anspruchsvolle Lichtsituationen. Ich hatte mich daher entschieden jedes Motiv mit verschiedenen Belichtungseinstellungen aufzunehmen, um später die geeignete Aufnahme auszuwählen. Meine Taschenlampe, die ich ursprünglich nur zur Orientierung mitgenommen hatte, leistete mir hier und da auch gute Dienste beim Scharfstellen. Ich hätte ohne sie doch glatt keine Möglichkeit besessen zu fotografieren. Glück gehabt.

Nach Stunden des Balancierens, Erforschens,  Fotografierens und Staunens verließen wir die Mühle wieder. Meine Wanderklamotten angezogen zu haben, hatte sich ausgezahlt. Daheim angekommen, sortierte ich wie immer alle Fotos und wählte die schönsten (hier gezeigten) aus. Um allen einen einheitlichen Look zu verpassen, entsättigte ich deren Farbigkeit, erhöhte extrem Kontrast sowie Klarheit und setzte stellenweise leichte Color Keys in dunklem Orange/Gelb/Braun.

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