Viva España — Ein kleiner Reisebericht (1)

Im Mai zog es mich mit meinem Kumpel Christoph einige Tage in Spaniens Hauptstadt Madrid. Hier verbrachten unsere Freunde Chrissi und Tobi ein Auslandssemester. Wir hatten somit das Glück, von Ortskundigen auf die wirklich sehens- und probierenswerten Dinge hingewiesen zu werden und uns gleichzeitig um die typischen Touristenfallen herumzumogeln. Es folgt ein bebilderter Reisebericht.

  1. Madrid: Tag 1
  2. Madrid: Tag 2
  3. Toledo: Tag 3
  4. Madrid: War noch was?

Tag 1

Die Reise

Der Wecker klingelt 2:30. Gerade noch rechtzeitig, um geduscht und mit frischem Kaffee ausgestattet in das Auto zu steigen, das Christoph und mich zum Flughafen nach Berlin bringt. Der Flieger geht 6:30. Eine gute Zeit, um noch ein Wenig Schlaf nachzuholen. Gegen 10:00, nicht minder müde, stehen wir dann am Gepäckband und warten auf die Koffer. Auf endlosen Wegen wird man von hier durch den ganzen Flughafen Barajas geschleust, um dann direkt die Metro zu erreichen. Der Einstieg kostet hier, zuzüglich zum normalen Fahrtarif, 2 Euro mehr. Es ist schön Tourist zu sein. Wir steigen zweimal um und kommen nach gut 30 Minuten Fahrt in der Station Lavapiés an und atmen kurz danach zum ersten Mal Madrilenische Luft. Von der Tür des Flugzeugs bis hierher war bisher alles überdacht oder unterirdisch.

Lavapiés

Metrostation "Lavapiés"

Lavapiés ist das Stadt- und Szeneviertel, in dem Chrissi und Tobi, unsere Gastgeber, wohnen. Dort reihen sich in nicht endender Folge Bars, Cafés, Restaurants, Lädchen und Galerien aneinander. Wer neben der spanischen Küche nach Kulinarischem aus aller Welt sucht, ist hier genau richtig. (Wer kennt schon die senegalesische Küche?) Ebenso werden Freundinnen individuellen Schmucks und schicker bis hin zu ausgefallener Kleidung diesen Ort nicht so schnell verlassen können. Neben all diesen kleinen Sehenswürdigkeiten macht das für deutsche Verhältnisse hyperinternational geprägte Straßenbild den größten Charme dieses Stadtteils aus. Jeder der zweifelt, dass Menschen verschiedenster Couleur und Herkunft auf kleinem Raum harmonisch zusammenleben können, dem sei ein Besuch von Lavapiés an Herz gelegt. Unser erster Weg führt uns zu den beiden. Wir werden mit einem deutschen Mittagessen schon erwartet. Ausgezeichnet. Die Kraft sollten wir für den Tag noch brauchen. Satt begeben wir uns zu Fuß zu unserem Hostel. Es liegt etwas weiter nördlich von Lavapiés nahe des Puerta del Sol. Wir zahlen 100€ pro Person für fünf Nächte. Das ist echt OK, denn die Lage ist top! Einzig und allein ist das Frühstück enttäuschend, was wir inklusive haben. Die Madrilenen kennen einfach nicht die Vorzüge eines leckeren Frühstücks als Start in den Tag.

Königspalast

KönigspalastAm Sol treffen wir Chrissi wieder. Sie führt uns zum Königspalast. Hier werden, wie die Konsumenten einschlägiger Boulevard-Medien spätestens seit Juni wissen, die spanischen Könige mit mal mehr und mal weniger Pomp gekrönt. Findet nicht zufällig eine Krönung (oder ein ähnliches hochoffizielles Ereignis) statt, ist der Palast mittwochs am Abend kostenlos zu besichtigen. Fotografieren ist in den vor Gold sowie Brokatteppichen und -tapeten strotzenden Räumen dann aber untersagt. Kathedrale von MadridStattdessen findet der ambitionierte Fotograf auch auf dem Vorplatz schöne Motive. Als ganz besonders günstig erweist sich, dass alle Touristen damit beschäftigt sind, in den Palast hineinzukommen und sich der besagte Platz somit recht menschenleer zeigt. Gegenüber des Eingangs zum Palast erhebt sich die Kathedrale von Madrid.

In den Straßen von Madrid

Vom Vorplatz des Königspalastes aus starten wir einen abendlichen Stadtspaziergang. Schnell erreichen wir einen weiteren großen Platz, den Plaza de España. Hier stehen, neben Denkmälern für Don Quijote und Miguel de Cervantes, zwei der höchsten Häuser der Stadt. Mir hat es die Architektur des Edificio España ganz besonders angetan.

Von hier nehmen wir die Gran Vía Richtung Osten bis zum Metropolis-Haus und gehen weiter die Calle de Alcalá entlang, vorbei an der Banco de España.

Tapas

Calle de AlcaláInzwischen ist es Abendbrotzeit und der Hunger ist zurückgekehrt. Irgendwo, nicht weit entfernt vom Palast, finden wir eine Tapaskneipe. Tapas sind neben Paella wohl eine der populärsten Speisen Spaniens. Wer Tapas bestellt, bekommt Häppchen verschiedener Speisen. In Bars erhält man oft Chips, in Kneipen gern mit reichlich Fleisch (seltener mit Käse) belegte Baguettescheiben sowie Toritillas, manchmal auch zusätzlich Paella oder Oliven.

Das Wort tapas ist der Plural von tapa, was zu deutsch eigentlich „Deckel“ oder „Abdeckung“ bedeutet. Der Name entstand wohl zu einer Zeit, als ein spanischer König von der Sorge um die Folgen des übermäßigen Konsums von cerveza (dt. Bier) geplagt wurde. In seiner Weisheit erkannte er, dass er seinem Volk das Trinken wohl nicht abgewöhnen könne. Daher erließ er ein Gesetz, wonach jedes ausgeschenkte Bier mit einem tapa versehen werden musste; einem kleinen Häppchen, welches, auf das Glas gelegt, erst zu verspeisen war, bevor mit dem Genuss des Bieres begonnen werden durfte. Wie außerordentlich weise.

Plaza de Canalejas im Abendlicht

Natürlich haben auch die Spanier den Touristenkult um ihre Tapas inzwischen bemerkt und so gibt es verschiedenste Variationen zu probieren. Es finden sich Luxus-Tapas, deren Preis kaum unter vier Euro pro Stück beginnt und die mit allerlei exquisiten Zutaten belegt sind. Andere Wirte wählen den Weg Masse statt Klasse. Bestellt man bei ihnen ein Bier, erhält man automatisch eine ganze Platte verschiedenster Tapas dazu. Paella, Tortilla und belegte Baguettes. Wer nicht aufpasst, hat keinen Platz mehr für’s Bier. Was hier zum Kult getrieben wird, gehört in simpler Form jedoch generell zum guten Ton. So erhält man als Gast vor jedem Bier einen wie auch immer gearteten Tapa. Eben wie es der König eins befahl.
Nach dem Abendessen endet unser langer erster Tag. Die Sonne ist 21:30 zwar noch nicht ganz untergegangen. Aber nach 10 geht bei uns nix mehr. Das frühe Aufstehen und der lange Tag fordern ihren Tribut. Ich mache ein letztes Foto vom Abendlicht am Plaza de Canalejas. Dann endet der erste Tag in Madrid.

— Hier noch einmal alle Fotos des ersten Tages. —

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.